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By Elif Mucan

„Lasst uns nicht über türkische Männer sprechen, lasst uns mit ihnen sprechen.“

Das ist das Motto von Kazim Erdogan, ein mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichneter Psychologe, Soziologe und ‚Integrationsexperte’, den ich diese Woche live bei den Heilbronner Tagen zur Willkommenskultur erleben durfte.

Besonders beeindruckt hat mich, wie Kazim Erdogan neue Projekte des Miteinander und Voneinander Lernens ins Leben ruft – und das unermüdlich. Vor 10 Jahren startete er mit seinen sogenannten „Väter- und Männergruppen“, in denen er mit türkischstämmigen Männern über all die Themen und Sorgen sprach, die sie in ihren Familien nicht bereden konnten. Inzwischen findet ein solcher Austausch auch im Rahmen von Frauengruppen und multikulturellen Gruppen in verschiedenen Städten statt. Da ich mich mit einer ähnlichen Problematik beschäftige, freut mich diese Entwicklung sehr.

Insbesondere Erdogans jüngstes Projekt „die Zukunft ist in Deinem Kopf“ finde ich sehr spannend. Es soll bi- und multikulturellen Jugendlichen Hilfestellungen geben, sich mit ihrer vielschichtigen Herkunft auseinander zu setzen und ihre eigene Identität zu entwickeln. Das trifft genau den Geist des Programms Bi-Cultural Intelligence – kurz „BiQ“ -, das ich mit vorantreibe. Es geht um das Herausarbeiten der eigenen Identität, jenseits von kulturellen Prägungen. Wir sind davon überzeugt, dass Menschen, die einen gesunden Selbstwert haben und sich ihrer Stärken bewusst sind, eine grössere, innere Stabilität aufweisen. Diese trägt entscheidend zu einem besseren Miteinander in unserer Gesellschaft bei.

Als ich mit Kazim Erdogan ins Gespräch kam, entdeckten wir viele Gemeinsamkeiten. Um unserem Austausch auf der Veranstaltung Taten folgen zu lassen, habe ich mich spontan dazu entschlossen, in Heilbronn bi-kulturelle Männer- und Frauengruppen ins Leben zu rufen.  Damit kann ich einen weiteren Beitrag zu einem konstruktiven Miteinander leisten – denn so wie Kazim Erdogan glaube auch ich ans TUN und bin gerne Teil einer vielfältigen Gesellschaft.

By Elif Mucan

Grenzenlos – wie Bi-Cultural Intelligence Dein Leben ändern kann

In unserem Interview mit Phonk, dem Heilbronner Lifestyle-Magazin haben wir über unser jüngstes Programm „BiQ“ berichtet. BiQ steht für „Bi-Cultural Intelligence„, ein Programm von Köster+Partner, das sich an Menschen richtet, die mit zwei oder mehreren Kulturen aufgewachsen sind.
Im BiQ-Programm zeigen wir Euch Wege auf, wie ihr Eure Bi- oder Multikulturalität privat und beruflich bestmöglich nutzen könnt, um Euch persönlich weiter zu entwickeln.

Elif, erzähl doch zu Beginn erstmal ein bisschen was über dich und deinen Werdegang.
Elif: Ein wichtiger Wendepunkt in meinem Leben war, als ich meine Festanstellung mit einem Jahresgehalt von 55.000 € gekündigt habe. Ich habe damals bei einer Unternehmensberatung gearbeitet und hatte bis dahin immer das Gefühl, anderen und vor allem mir selbst etwas beweisen zu müssen. Irgendwann kam bei mir aber die Erkenntnis, dass ich in eine andere Richtung gehen will. Gerade weil ich ja selbst sowohl durch die deutsche als auch die türkische Kultur geprägt bin, wollte ich dieses Thema vertiefen und den Ansatz in der Wirtschaft anwenden. Also habe ich meinen Job an den Nagel gehängt, bin zurück an die Hochschule gegangen und habe mich mit Kathrin – meiner ehemaligen Professorin – zusammengetan. Im Zuge von empirischer Forschung in berufsbegleitenden Studiengängen habe ich auch bi-kulturelle Menschen interviewt, was ich sehr interessant fand. So bin ich dann durch Kathrin zu meinem Herzensthema zurückgekommen.

Wie ist daraus das Projekt „Bi-Cultural Intelligence“ entstanden?
Elif: Die Motivation dahinter ist das Empowerment von Bi-Culturals. Wir wollen diesen Menschen zeigen, dass sie sich nicht verstecken müssen und dass sie viel mehr können, als ihnen selbst und anderen bewusst ist. Besonders durch ihre Sozialisierung mit zwei verschiedenen Kulturen haben Bi-Culturals ja ganz spezielle Fähigkeiten, auf die sie zurückgreifen können. Diese Botschaft richtet sich aber nicht nur an die Bi-Culturals selbst, sondern auch an Unternehmen, auf die da viel ungenutztes Potenzial wartet.

Findet eure Arbeit in erster Linie im Unternehmensumfeld statt? Oder konzentriert ihr euch da auch auf das ganz alltägliche Leben?
Kathrin: Hauptsächlich wollen wir ein Bewusstsein dafür schaffen, was in jeder einzelnen Person steckt. Deshalb stehen bei unseren Projekten zunächst einzelne Personen im Fokus. Aber Unternehmen sind ja Ansammlungen von Einzelpersonen, deshalb richten wir uns bei der Bewusstseinsschaffung gleichzeitig auch an Entscheidungsträger in Unternehmen. Bei der Herausarbeitung von Stärken des Individuums geht es natürlich auch um die Anwendung im alltäglichen Leben, generell konzentriert sich die Kampagne aber auf das Unternehmensumfeld. Da gibt es ja auch aktuell viel Nachholbedarf, wenn man sich zum Beispiel den Fachkräftemangel ansieht. Deshalb ist in Unternehmen eine Art Transformation gefragt, um alle Potenziale zu nutzen.

Ihr arbeitet also direkt in den jeweiligen Betrieben?
Elif: Wir haben zunächst mal individuelle Coachings für die Bi-Culturals. Im Unternehmen arbeiten dann aber Bi- und Mono-Culturals in gemeinsamen Projekten, um von- und miteinander zu lernen.
Kathrin: Dabei gibt es auch eine bewusstere Besetzung der einzelnen Rollen im Team. Normalerweise geht man da ja rein nach der fachlichen Qualifikation vor – wir wollen aber durch die Hervorhebung der unterschiedlichen kulturellen Prägungen eine Perspektive darüber hinaus aufzeigen, in der die Menschen bewusst voneinander lernen. Nicht nur das „Was?“ ist wichtig, sondern auch das „Wie?“.

Der Kulturbegriff ist ja gerade ein bisschen zum politischen Streitpunkt geworden, von de Maizières „Leitkultur“ bis hin zu den Äußerungen von Aydan Özoguz und Alexander Gauland. Wie geht ihr mit diesem Thema in Bezug auf „Bi-Cultural Intelligence“ um?
Elif: Grundsätzlich ist es ja meist so, dass viele die Kultur als eine Art „Hülle“ des Menschen sehen – was sie aber nicht ist. Wir verstehen Kultur eher wie eine Art Programmierung, die man von klein auf „aufgespielt“ bekommt, je nachdem in welchem Umfeld man aufwächst und nicht wie die meisten anderen als das „Betriebssystem“. Wenn man die kulturelle Prägung als Programm betrachtet, kann man sich anschauen, welche Features es da gibt. Brauch ich die, will ich die? Diese Perspektive auf die Kultur ist auch eine Art Befreiung, denn so versteht man: Man HAT die Kultur, aber man IST nicht die Kultur. Aus der Perspektive betrachtet braucht man Menschen auch nicht mehr in irgendwelche Schubladen zu stecken, da es diese Schubladen gar nicht mehr gibt.

Mich erinnert die Stärkung von „Bi-Culturals“ ein bisschen an das „Black Lives Matter“-Movement in den USA. Dieses wurde ja auch teilweise kritisch gesehen oder falsch verstanden, später entstand „All Lives Matter“ als Gegenbewegung mit teilweise rassistischem Unterton. Seht ihr bei eurer Arbeit auch die Gefahr, dass bestimmte Leute eurem Anliegen in diesem Sinne negativ gegenüberstehen?
Elif: Eigentlich nicht, weil unser Ansinnen ja ist, das Potenzial auf allen Seiten aufzuzeigen. Weder werten wir Bi-Culturals auf, noch werten wir Mono-Culturals ab.
Kathrin: Unser Programm „Core“ dient zur Stärkung des Bewusstseins aller Menschen, BiQ ist dabei ein spezielles Programm, das sich auf Menschen mit zwei oder mehr kulturellen Prägungen richtet. Das ist aber nur ein Pfeiler, die Mehrheit der Leute die wir coachen sind Mono-Culturals. Aber gerade im Zuge der Globalisierung gibt es natürlich immer mehr Bi-Culturals. Diese Chancen, Eigenschaften wie zum Beispiel Zweisprachigkeit zu nutzen, wollen wir positiv begleiten – und dabei auch dafür sorgen, dass die Identifizierung mit verschiedenen Kulturen nicht zur Zerreißprobe wird.
Elif: Was uns mit „Black Lives Matter“ ein bisschen verbindet, ist, dass wir eine Gruppe stärken, die unterschätzt und teilweise benachteiligt wird. Wir fokussieren uns dabei aber nicht auf das Negative, sondern wollen positive Gefühle stärken und zu einem gesunden Selbstwert verhelfen, sodass es zu einer Radikalisierung erst gar nicht kommt.

Wie wollt ihr eure Arbeit in Zukunft weiter ausbauen, gibt es da schon konkrete Pläne?
Elif: Wir werden das Coaching ausdehnen, indem wir den Erfahrungsaustausch in Kleingruppen ermöglichen. Da bringt jeder Teilnehmer seinen eigenen Erfahrungsschatz mit ein, man könnte es als eine Art Peer-To-Peer-Training für Bi-Culturals sehen.
Kathrin: Die Idee ist, aus den einzelnen One-On-Ones rauszugehen und in Gruppen auch mehr Multiplikatoren zu generieren. Das Projekt soll nicht allein von uns als Coaches abhängig sein, sondern über diese Zirkel hinaus an Strahlkraft gewinnen. Deshalb wollen wir auch weitere Coaches ausbilden, in anderen Städten oder sogar anderen Ländern. Wir sind da zum Beispiel mit Leuten aus den USA oder auch Skandinavien in Kontakt. Langfristig soll so eine Kooperation über die Ländergrenzen  hinweg das Schubladendenken aufheben und die Stabilisierung aller Gesellschaften fördern.
Elif: Außerdem führen wir aktuell auch eine Interviewserie mit Bi-Cultural-Unternehmern durch, weil deren persönliche Geschichten sehr inspirierend sind.
Kathrin: Genau, unter den Bi-Culturals ist nämlich auch eine sehr hohe Prozentzahl an Leuten, die sich selbstständig machen und die Bereitschaft haben, Dinge in die eigene Hand zu nehmen. Diese Mentalität zieht andere in den Bann.
Elif: Und wir freuen uns natürlich über jeden, der Interesse an unserem Projekt hat und mit uns in Kontakt treten will. Das geht am besten über unsere Homepage, Netzwerke wie Xing und LinkedIn – oder ihr schaut einfach direkt in unserem Loft-Büro in der Salzstraße vorbei!

Wir danken euch beiden für diese Einblicke in eure Arbeit – viel Erfolg weiterhin!   [FD]

Nähere Informationen zu unserem Programm „BiQ“ findet ihr hier.

Das Original-Interview findet ihr sowohl in der Oktober-Ausgabe des Phonk Magazins als auch unter unter http://phonk-magazin.de/bi-culturals-interview.

„Lasst uns nicht über türkische Männer sprechen, lasst uns mit ihnen sprechen.“
Grenzenlos – wie Bi-Cultural Intelligence Dein Leben ändern kann